Sicher haben schon viele Wirte in Deutschland darüber nachgedacht, Christian Rach von RTL in ihr Lokal zu lassen. Dynamisch ist er, und mit intelligenten Bemerkungen und innovativen Ideen möbelt er selbst die schäbigsten Wirtshäuser auf und macht aus ihren rentable Gastronomien. Das ist das Bild, das man bekommt, wenn man „Rach – der Restauranttester“ auf RTL sieht.

Auch wir sind große Fans von Rach, der so unverblümt den teilweise weltfremden Wirten die Meinung geigt und ihren klarmacht, dass sie nicht nur kurz vor der Pleite stehen, sondern schon mit beiden Beinen mittendrin. Und so verfolgten wir die Geschichte der Eis-Heidi von Güstow mit großem Interesse, als die marode Eisdiele zum neuen Kleinod werden sollte.

Vor ein paar Tagen hatten wir nun die Chance zu sehen was bleibt, wenn Rach einen „Laden aufgemöbelt hat“. Was wir bekommen haben, war nicht nur ein interessanter Einblick in den Laden der Eis-Heidi, sondern auch interessante Hintergrundinformationen, die man sicher nicht erwartet hätte.

Die Eis-Heidi ist die Gastronomin einer Eisdiele mitten in Güstrow. Gerettet werden musste sie von Rach, da die Kunden ausblieben und Eis-Heidi nur noch Rechnungen, aber keine Gäste mehr hatte. Um den Laden zu retten, meldete sich die Eis-Heidi bei RTL, und wenige Wochen später stand Rach vor der Tür. Nachdem dieser die Speisekarte herauf und herunter gefuttert hatte, wurde sehr schnell klar: „Wirklich gut ist hier nichts.“ Also kreierte Rach einen Flammkuchen und möbelte den Laden etwas auf. Vor allem aber hat die Eis-Heidi ihr Fett abbekommen, um ihren Laden künftig professioneller zu führen. Tränen flossen, doch am Ende war alles Gut. Soweit die offizielle Seite – zumindest die von RTL.

Als wir nun vor einigen Tagen in der Eisdiele vorbeischauten, fragte ich natürlich gleich, ob denn die Wirtin auch da sei. „Natürlich!“ war die prompte Antwort der Bedienung, und es dauerte nur wenige Minuten bis die frisch frisierte Eis-Heidi an unserem Tisch stand und uns berichtete, wie es ihr erging, als „der Rach“ zu ihr kam. Natürlich stellten wir kritische Fragen, und fanden so ein paar sehr interessante Details heraus:

  • So spontan der erste Restauranttest von Rach auch erscheint (Er spaziert unangemeldet in den Laden und testet die Speisen.), spontan ist er nicht, sondern vertraglich vereinbart und weit im voraus terminiert. Die Restaurantbesitzer wissen also genau, wann er kommt – „der Rach“.
  • Natürlich schmecken die Speisen auf der Karte nicht, auch das ist vertraglich vereinbart, denn wenn es schmeckt, ist der Rach überflüssig. Also schmeckt – vor der Kamera – natürlich alles schlecht. Die Eis-Heidi sagte uns, dass der Rach hinter der Kamera gesagt haben soll: „Völlig gaga, das schmeckt sogar!“, aber dazu später mehr.
  • Die Eis-Heidi lies sich vertraglich dazu verpflichten, den Empfehlungen und dem Drehbuch von RTL folge zu leisten. Hätte sie sich den Anweisungen des Teams von RTL widersetzt, hätte sie eine Strafe von 10.000 Euro zahlen müssen – viel Geld für einen Gastronomen kurz vor der Pleite.
  • Jede Szene der knapp 45 minütigen Reportage auf RTL wird 6-7mal gedreht. Was die „Darsteller“ zu sagen haben, ist mithilfe eines Drehbuches genau festgeschrieben. Fangen die Wirtsbesitzer also plötzlich an zu weinen, dann kann es auch gut sein, dass dies auf die Erschöpfung der Teilnehmer zurückzuführen ist oder schlicht im Drehbuch steht. Denn entgegen des Eindruckes „Rach ist mal kurz da“ dauern die Aufnahmen für eine Folge etwa eine Woche an.
  • Sagt der Rach, dass er „mal was mitgebracht hat“, denkt der begeisterte Zuschauer: „Toll, der möbelt den Laden mit neuem Geschirr, neuer Deko, neuer Werbung, etc. auf. Naja, RTL zahlt das bestimmt.“ Aber: weit gefehlt. Denn hört man genau auf den Wortlaut, erkennt man: Rach hat „mal was mitgebracht“ – bezahlen muss es das Restaurant jedoch selbst. So passiert es schnell mal, dass ein Kaffeeautomat für 7500 Euro weggeworfen wird, um der neuen 5000 Euro teuren neuen Kaffeemaschine Platz zu machen. Die Eis-Heidi kann ein Lied davon singen.
  • Um die Dramaturgie zu verstärken, lesen die Restaurantbesitzer zu Beginn der Staffel auch einen Text vor, den man nach dem Dreh beliebig zusammenstückeln kann, um diejenige Aussage zu bekommen, die dem Regisseur der Rach-Inszenierung am gelungensten erscheint.

Was am Ende der Medienpräsenz bleibt ist Werbung und ein Rach-Rezept. Die Werbung lockt neue Kunden an und letztlich ist Rach ein Publikumsmagnet.

Was er am Ende geschafft hat, ist schwer zu sagen. Die Eis-Heidi von Güstrow, die ihren Restaurantnamen mittlerweile in „Markt 7“ gewechselt hat (Warum eigentlich?), hat nun einen leckeren Flammkuchen: „von Rach getestet und für gut befunden“. Aber das ist auch schon alles. Das Bier war schal, der Kirsch-Bananen-Saft mehr grau-rosa als gelb-rot (grau-rosa hat er auch geschmeckt, siehe Bild!). Die Waffel mit der Kugel Eis war pampig und der Erdbeer-Eisbecher mit dem billigsten Familieneis auch wenig spektakulär.

Doch die Eis-Heidi ist stolz auf ihre Rach-Geschichte. Stolz gab sie uns ein Autogramm (siehe Bild) und wollte uns auch noch Fan-T-Shirts aufschwatzen, die wir jedoch dankend ablehnten.

Was also bleibt ist ein Rach-Rezept, das nicht in eine Eisdiele passt (Flammkuchen!), eine neue Einrichtung, die der Besitzer selbst zahlen muss, und neugierige Laufkundschaft, die kurz vorbeischaut, etwas Geld im Laden lässt, aber genauso schnell verschwindet, wie sie aufgetaucht ist.

Schade – noch immer irgendwie unprofessionell.

Ich hatte mehr erwartet.