Feiner Regen prasselt gegen die Fensterscheiben. So fein, dass man ihn nicht hört, er in Perlen aber von der Scheibe runterrollt. Die Wolken hängen so tief, dass ich sie packen möchte, um sie fortzuziehen. Das Seeklima soll ja bekanntlich sehr wechselhaft sein, heute sieht es nicht so aus.

Nach dem perfekten Frühstück mit kleinen kulinarischen Highlights nehmen wir Platz in der Lobby. Uns ist klar, dass es draußen so nass ist, dass unsere Kameraausrüstung nur schwer damit zurechtkäme, und auch wir in kürzester Zeit durchnässt wären. Also versuchen wir das Beste aus diesem verregneten Tag zu machen, bearbeiten ein paar Bilder, werfen ein paar Bälle mit Rio, dem Hund des Hauses, oder streicheln Molly die Tigerkatze, die regelmäßig vor uns einschläft.

Am Nachmittag schließlich nimmt der Regen ab, und wir entschließen uns dazu, eine Location anzufahren, die wir bereits vor einem Tag gesehen haben. Bei schlechtem Wetter braucht man in der Fotografie Kontraste, sonst sieht die Welt aus, als hätte man sie durch Milchglasscheiben betrachtet.

Der Sandstrand, an dem wir ankommen, ist menschenleer. Wir zücken unsere Stative, Kameras, Filter, Regenschutz und laufen aufmerksam auf der Suche nach tollen Motiven entlang der schroffen Felsen, an denen sich die Wellen der aufkommenden Flut brechen.

Nach mehreren Motiven uns Perspektiven, die alle ähnlich aussehen, entschließe ich mich, ein bisschen durch die Felsen zu klettern. Plötzlich sehe ich Christian, der ganz unten inmitten der Brandung zwischen den Felsen klemmt. Sein Stativ ist breit aufgebaut, und er hält es mit der Hand fest, denn die Wellen schlagen hoch. Nasse Füße sind okay, wenn der Preis eine vor den Fluten gerettete Kamera ist. Per Funk sind wir mit ihm Verbunden, um im Zweifel schnell reagieren können.

Ich selbst traue mich für gute Fotos nicht darunter, und im Nachhinein erfahre ich, dass Christian in seiner Jugend sehr viel geklettert ist. Selbst wenn ich gewollt hätte, wäre es wohl fast unmöglich gewesen, entlang der glitschig nassen Felsen zu klettern.

Aber vielleicht macht Christian es auch genau richtig: Er wählt nicht diejenigen Motive aus, die dem Betrachter direkt vor den Augen liegen, sondern er geht in die Knie, klettert Felsen herauf oder herab, um eine neue, nicht bekannte Perspektive auf die Umgebung zu finden. Ich beobachte schon eine Weile, welcher Teilnehmer welche Perspektiven wählt, und schon seit ein paar Tagen fällt mir auf, dass Christian immer weit ab von der Gruppe buchstäblich “irgendwo” ist. Schaue ich mir am Abend, im Pax House, die Katze graulend die Fotos von Christian an, sehe ich, dass es sich gelohnt hat, die Perspektive zu wechseln.

Wieder ‚was gelernt.