Dem Charme, Witz, Einfallsreichtum und einem Quäntchen Frechheit von Andreas haben wir es zu verdanken, dass wir nach erfolgreichem Fotoshooting in den Brandungen der westirischen Küste zum Nulltarif in einer der Regen-Locations für Touristen in Irland landen.

Die Aillwee Cave erwartet den Besucher und lockt mit Stalaktiten und Stalagmiten. Die Führung dauert 30 Minuten, und wir haben keine wirkliche Lust auf eine Höhle. Also organisieren wir uns eine Spezialführung für Fotografiestudenten. Ein junger Guide, der Touristen im 30-Minutentakt durch die Höhlen lotst, ist froh über uns: Wir wollen keine tausend Geschichten hören, sondern schnell zur Hauptattraktion der Höhle gelangen, um dort ein paar Minuten Zeit zum Fotografieren zu haben.

Immer wieder hält unser Guide an und drückt ein paar leuchtende Knöpfe auf kleinen Pulten neben ihm. Irgendwo in der Felsformation gehen ein paar kleine Lampen an und beleuchten etwas, das nicht besonders spannend aussieht. Mal sind es Bärenknochen, angebliche Überreste steinzeitlicher Urahnen. Ein andermal ist es ein 10 Zentimeter langer, von der Decke ragender Stalagmit.

All das kann uns nicht wirklich beeindrucken: Die Bärenknochen sehen aus wie ein Teller bei KFC (Kentucky Fried Chicken), und so kleine Stalaktiten, von denen es feucht von der Decke tropft, kennen Berliner aus so mancher Partylocation, in der sich der Schweiß der Besucher an der Decke sammelt und langsam auf das Publikum tropft.

Zum Finale schließlich stehen wir auf einem Stahlrost. Unter uns verengt sich die Höhle. Der Guide drückt erneut auf die “Illuminationstasten”, und plötzlich wird ein kleiner unterirdischer Wasserfall angeleuchtet. Ich gebe zu, er sah ganz nett aus. Hätte ich für die Führung jedoch 14 Euro gezahlt, hätte ich mich womöglich geärgert. Hier stellen wir alle unsere Stative auf und machen ein paar Fotos. Die Ergebnisse sehen aus, als hätten wir ein Stahlwerk besucht. Gelb leuchtend ergießt sich ein Strahl von oben nach unten, wie das heiße Metall eines Stahlwerks, das in eine Form fließt.

Viel interessanter als die Höhle jedoch, waren die Eulen. In einem Käfiglabyrinth leben unweit der Höhle alle möglichen Eulenarten in winzigen Parzellen. Tolle Federn und ein fesselnder Blick aus den orange leuchtenden Kulleraugen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Eulen nicht artgerecht gehalten werden. Kaum fünf Meter sind die Gehege lang, in denen die Eulen keine Chance auf Rückzug haben, sondern immer den Blicken der Touristen ausgeliefert sind.

Sie tun mir leid, diese kleinen Eulen mit den großen Krallen, dem Schnabel und den Kulleraugen. Kuschelig weich sehen sie aus, so dass man sie streicheln möchte. Ein paar Minuten später sehe ich eine Eule beim Mittagessen, und ich streiche gedanklich den Plan, eine Eule zu streicheln. Eulen sind wie die Löwen der Lüfte: Tiere mit toller Mähne, aber echt grausam bei der Jagd und schlecht im Geschmack.

Dennoch werde ich nicht vergessen, wie mich die Eule mit den orangenen Augen anschaute. Vielen lieben Dank an Christian für das Foto in diesem Artikel. Mit seiner Makrolinse war es deutlich einfacherer, diese Momente festzuhalten.