Ich habe mich noch nie mit einem wildfremden Menschen nachts um 6 Uhr mitten in Amerika vor einem McDonalds getroffen. Doch nun stehe ich hier: Mit einem Kaffee in der Hand warte ich auf Bob. Er startet schon seit Jahren um diese Uhrzeit in den Tag und ist hellwach, als er mich mit einem festen Händedruck begrüßt.

Ich steige in seinen riesigen Pickup ein, in dem bereits 5 weitere Gäste der Fahrt in einem Heißluftballon sitzen. Um uns herum ist es absolut dunkel. Wir sind die einzigen auf diesem Parkplatz.

An dem riesigen Pickup hängt ein ebenso riesiger Hänger. Darin befinden sich Ballon, Korb und Gasflaschen, um das Abenteuer möglich zu machen. Von außen ist der Hänger mit allerlei Plakaten beklebt. Unter anderem findet man auch die Werbung für seine eigene Webseite. Doch auch das alljährliche Treffen der amerikanischen Ballonfahrer in Albuquerque wird dort angekündigt.

Mit etwas Helium wird währenddessen ein Luftballon gefüllt und eine kleine leuchtende LED daran gehängt. So prüft Bob, aus welcher Richtung der Wind kommt. So kann er entscheiden, auf welcher Wiese wir abheben werden. Bei der schummrigen Beleuchtung des Pickups schaue ich mir meine “Mitflieger” an, die mit genauso weit aufgerissenen Augen dasitzen und stumm nickend zusehen.

Wenige Minuten später finden wir uns auf einem Feld ein. Zahlreiche andere Ballonfahrer tun es uns gleich und fahren ebenfalls auf das unbebaute Feld neben dem Highway und packen ihre Utensilien aus. Routiniert baut Bob den Korb und den Schirm auf. Ich sehe: Hier stimmt jeder Handgriff. Kein Wunder: Bob macht das schon lange.

Mit riesigen Ventilatoren wird Luft in den Ballon gepumpt, der immer größer wird. Bereits nach knapp einer Minute kann ich schon tief in den Ballon sehen. “Geh ruhig rein!”, sagt mir Bob, “Aber verfange dich nicht in den Seilen.”. Wie ein Storch laufe ich auf der Fallschirmseide des Ballons immer tiefer hinein. Riesig ist das Zeltdach über mir, das noch immer stetig größer wird. Der Adrenalinpegel steigt. Nun werde ich langsam wach.

Der Himmel verliert immer mehr seiner pechschwarzen Farbe. Und mit dem Blau des Himmels, wirft Bob die Bunsenbrenner an, um die Luft im Ballon aufzuheizen. Eine 5 Meter lange Stichflamme kommt mit tösendem Rauschen aus den beiden Brennern über dem Korb, der noch immer auf dem Boden liegt. Wer bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht wach war, ist es nun.

Und mit einem Mal geht alles ganz schnell: Der Ballon, der gerade noch träge auf dem Boden lag, und durch den ich eben noch gelaufen bin, richtet sich majestätisch auf. Nun steigen wir alle in den Korb, und los geht die Reise. Wir alle klammern und an den Bastkorb, der mich ein bisschen an den Film “In 80 Tagen um die Welt” erinnert. Ob ich Angst habe? Nein. Die Routine, mit der Bob den Ballon im Griff hat, und die Witze, die er ohne Unterbrechung loslässt, wirken sehr beruhigend, so spannend und nervenkitzelig diese Ballonfahrt auch ist.

Schnell entfernen wir uns von den anderen Ballons und beginnen, geräuschlos durch die Luft zu schweben. An Bord ist es ruhig. Jeder schaut gebannt auf die unter uns liegende Welt. Wir gleiten über einen See, in dessen Oberfläche wir uns spiegeln. Irgendwann schreit Bob: “Good Morning! Good Morning!” Doch gemeint, sind nicht wir, sondern seine Nachbarn. Diese sitzen etwa 50 Meter unter uns an einem Tisch und frühstücken. Mit ausladenden Gesten winkt er seinen Nachbarn zu. Ich lache. Das hier ist eine ganz andere Welt als in Berlin.

Bob erzählt uns viel über Disney, die Wälder, die in Form einer Mickey Mouse gestaltet sind, deren Größe und Gestalt man jedoch nur aus der Luft erkennen kann. Bob erzählt aber auch, dass seit dem 11. September über dem Disneyland eine Flugverbotszone verhängt wurde. Kein Fluggerät darf sich tiefer als 3000 Metern über dem Gelände bewegen. Wie viele Flüge er denn schon absolviert hat, frage ich Bob. “Tausende. Irgendwann habe ich aufgehört, zu zählen.”. Über 30 Jahre fliegt Bob nun schon. Hochzeiten, Basejumper und Prominente sind mit ihm geflogen.

Wie er zur Fliegerei gekommen ist, frage ich ihn. “Hier in Orlando gab es schon immer die Ballonfliegerei. Das gefiel mir. Also habe ich am Anfang in einem Betrieb ausgeholfen. Schnell reichte mir das nicht mehr. Ich wollte selbst fliegen. Also kaufte ich mir einen Ballon, machte den Pilotenschein und flog seitdem selbst.”, erklärt mir Bob mit amerikanisch stolz geschwellter Brust.

Nach gut zwei Stunden wird es nochmal kniffelig, als es darum geht, einen Landeplatz zu finden. Bob steht in engem Kontakt mit seiner Bodencrew. Schnell ist ein freies Feld ausgemacht. Nun geht es darum, dort sicher zu landen. Ich bin wirklich beeindruckt, mit welcher Leichtigkeit Bob mit seinem 50 Meter hohen Ballon auf diesem Feld “einparkt”. Sanft setzen wir auf und können aus dem Korb klettern. Wir alle helfen, den Ballon zusammenzulegen, und in den Sack zu stopfen, in den er gehört. Am Ende setzen wir uns sogar auf diesen Ballonsack rauf, damit die Luft entweichen kann.

Gegen 8:30 Uhr geht es schließlich zurück zu McDonalds. Nebenan gibt es den obligatorischen Sektempfang und ein leckeres Frühstück. Meine Mitfahrer machen sich so gestärkt zurück auf den Heimweg. Für mich war die Ballonfahrt erst der Start in den Tag. Denn nun fahre ich nach St. Petersburg, wo die nächsten Abenteuer auf mich warten.